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Antidiskriminierung

Hände in verschiedenen Farben © SMGI

Die Menschen in Sachsen sind vielfältig. Das zeigt sich z.B. in der Altersstruktur der Bevölkerung, in der Vielfalt von Geschlechtern und der sexuellen Identität, aber auch in den Fähigkeiten und Beeinträchtigungen eines jeden Menschen; in der kulturellen Zugehörigkeit und der Herkunft, wie in der Religionszugehörigkeit. Diese Vielfalt ist eine elementare Ressource für Sachsen.

Trotzdem gibt es Menschen, die aufgrund bestimmter Merkmale Benachteiligung erleben, oft in wiederholter Form in den verschiedensten Lebenssituationen, in ihrem Alltag.

Engagement gegen Diskriminierung bedeutet zugleich Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vertrauen in demokratische Strukturen kann nur wachsen, wo Menschen über gleichberechtigte Teilhabemöglichkeiten verfügen.

Im Kabinettsbeschluss vom 24.1.2017 wurde die »Strategie zum Schutz vor Diskriminierung und zur Förderung von Vielfalt« beschlossen. Sie beschreibt das Konzept der Antidiskriminierungspolitik als politische Querschnittsaufgabe innerhalb der Staatsregierung und umfasst ein umfangreiches Maßnahmepaket zum Ausbau und zur Stärkung der Antidiskriminierungspolitik im Freistaat.

Mit dem Strategiekonzept erfüllte Sachsen die Voraussetzungen für den Beitritt zur »Koalition gegen Diskriminierung«, die am 23.06.2017 durch die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping für den Freistaat Sachsen unterzeichnet wurde. Die Unterzeichnung ist ein deutliches Bekenntnis zu einer Kultur der Wertschätzung von Vielfalt als Grundelement eines weltoffenen Sachsen.

Die breit angelegten Maßnahmen innerhalb der Antidiskriminierungsstrategie des Freistaates Sachsens werden z.B. abgebildet:

  • im Bereich Gleichstellung von Frau und Mann
  • im Rahmen des Landesaktionsplanes zur Umsetzung der UN - Behindertenrechtskonvention
  • im Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen
  • im Zuwanderungs- und Integrationskonzept
  • bei der Bekämpfung von Altersdiskriminierung
  • in Maßnahmen zur Demokratieförderung und zur Bekämpfung von politischem Extremismus

Ziele der Antidiskriminierungspolitik der Sächsischen Staatsregierung

  • Sensibilisierung für das Recht aller Menschen auf Chancengleichheit
  • Förderung der Umsetzung des Rechtsanspruches auf Nichtdiskriminierung
  • Verhinderung und Abbau von Diskriminierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen in Sachsen
  • Stärkung und Verbesserung von demokratischen Strukturen und Kompetenzen
  • Stärkung einer Kultur der Wertschätzung und Förderung von Vielfalt als Produktivfaktor in Wirtschaft und Verwaltung
  • Abwehr von ideologiegestützter Menschenverachtung und politischem Extremismus

Aufgaben der Geschäftsstelle

  • eine Kultur der Wertschätzung von Vielfalt in Sachsen fördern
  • die Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung zu sensibilisieren
  • die Umsetzung der sächsischen Antidiskriminierungspolitik ressortübergreifend zu koordinieren
  • den modellhaften Auf- und Ausbau bedarfsgerechter Netzwerk- und Beratungsstrukturen für Antidiskriminierung in Sachsen zu begleiten und zu unterstützen
  • als fachliche Schnittstelle für die Netzwerkpartner zum Thema Antidiskriminierung auf Bund- Landes- und kommunaler Ebene zur Verfügung zu stehen

 

Maßnahmen der Geschäftsstelle 

  • Verankerung des Themas als politische Querschnittsaufgabe

Im Rahmen ihrer Facharbeit stellen die Ressorts eigenständig sicher, dass die Maßnahmen der Antidiskriminierungsstrategie in dem jeweiligen Fachbereich berücksichtigt werden. Das betrifft sowohl die Etablierung einer verwaltungsinternen Antidiskriminierungskultur als auch um die Bearbeitung der Thematik durch die jeweils zuständigen Ressorts. Die Geschäftsstelle Antidiskriminierung koordiniert die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Ressorts hinsichtlich der verschiedenen Lebensbereiche, in denen Diskriminierung auftritt, auch im Hinblick auf Mehrfachdiskriminierungen, identifiziert Schnittmengen und unterstützt die Entwicklung von ressortübergreifenden Standards. 

  •  Koordinierung des Lenkungsausschusses zur Bekämpfung von Diskriminierung in Sachsen
  • Ausbau von Beratungsangeboten u.a. Projekten zum Abbau von Diskriminierung

Der modellhafte Aufbau einer sachsenweiten Struktur qualifizierter horizontaler Antidiskriminierungsberatung ist ein Kernbeschluss der Kabinettsstrategie. Regionale Beratungsstrukturen sind eine zentrale Grundlage zur Durchsetzung des Rechts auf Gleichbehandlung. 
Darüber hinaus werden über die Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit verschiedene Projekte zur Antidiskriminierung gefördert. (Link zu Richtlinie Chancengleichheit)
Zu den Aufgaben der Geschäftsstelle gehören die Finanzierung und die fachliche Begleitung der Beratungsstellen.

  •  Start der Studie „Diskriminierungserfahrungen und diskriminierungsrelevante Einstellungen in Sachsen“

Das Ministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung hat eine Studie zu Diskriminierung in Sachsen in Auftrag gegeben. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus der ähnlich gelagerten Studie für die Bundesebene von 2017 "Diskriminierungserfahrungen in Deutschland" (siehe auch: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Expertise_Diskriminierungserfahrungen_in_Deutschland.html) wird die Studie spezifisch für Sachsen sowohl Diskriminierungserfahrungen als auch diskriminierungs- und gleichstellungsrelevante Einstellungen in Sachsen beforschen.

Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) wird die Studie im Auftrag der Staatsregierung durchführen. Der Start der Befragungen von Betroffenen von Diskriminierung, aber auch der sächsischen Bevölkerung ist für Januar 2020 geplant.

Staatsministerin Katja Meier anlässlich des Auftaktgespräches: "Ich freue mich, dass wir mit der Studie notwendiges Wissen generieren, wie die Lage konkret in Sachsen ist: Wer erfährt welche Formen von Benachteiligung? Welche strukturellen Diskriminierungen gibt es und welche Einstellungen zu Diskriminierung und Gleichbehandlung existieren in der sächsischen Bevölkerung? Diese bundeslandspezifischen Daten werden uns wichtige Hinweise für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung unserer Maßnahmen in Sachsen liefern. Unser Ziel ist es, Gleichstellung voranzubringen und Diskriminierungen abzubauen."  

  • fachliche Begleitung der Arbeitsgruppe »Beschwerdestellen nach dem § 13 AGG«

Jedes Ressort verfügt über eine rechtlich vorgeschriebene Beschwerdestelle nach § 13 AGG. Die Geschäftsstelle Antidiskriminierung übernimmt die fachliche Begleitung und organisiert regelmäßige Treffen.

  • Netzwerkarbeit auf Länder- und Bundesebene und in Sachsen

Als fachliche Schnittstelle für die Netzwerkpartner zum Thema Antidiskriminierung in Sachsen, aber auch auf Länder- und Bundesebene vertritt die Geschäftsstelle Antidiskriminierung den Freistaat Sachsen auf den entsprechenden Fachministerkonferenzen, bei themenspezifischen Bund-Länder-Treffen und im sächsischen Netzwerk für Antidiskriminierung NADIS.

Aufgaben des Lenkungssausschusses

Der Lenkungsausschuss zur Bekämpfung von Diskriminierung in Sachsen konstituierte sich am 18.03.2019. Er dient dem Abstimmungsprozess sowie der Konkretisierung und Weiterentwicklung der Antidiskriminierungspolitik in Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Organisationen und verankert die sächsische Antidiskriminierungspolitik als ressortübergreifende Querschnittsaufgabe.

Das Modellprojekt „Strukturen der Antidiskriminierungsberatung in Sachsen“ wird durch den Lenkungsausschuss begleitet.

Mitglieder des Lenkungsausschusses

  • Vertreterinnen und Vertreter aller Staatsministerien sowie der Staatskanzlei und des Landespräventionsrates
  • die Beauftragten der Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, von Seniorinnen und Senioren, von LSBTTIQ und der Sächsische Ausländerbeauftragte
  • zwei Mitglieder des Ausschusses für Soziales und Verbraucherschutz des Sächsischen Landtages
  • Mitglieder der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Hochschulen
  • der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten
  • des Antidiskriminierungsbüros Sachsen
  • des Anwaltsverbandes Sachsen
  • der Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk
  • der LIGA Selbstvertretung Sachsen – Behinderung und Menschenrechte in Sachsen
  • des Dachverbandes Sächsischer Migrantenorganisationen e.V.
  • des Genderkompetenzzentrums Sachsen
  • der Landesseniorenvertretung Sachsen

 

 

Im Rahmen des Modellprojektes »Strukturen der Antidiskriminierungsberatung« bietet das Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V.  an verschiedenen Standorten qualifizierte horizontale Beratung für von Diskriminierung betroffene Menschen an. Antidiskriminierungsberatung soll mit bereits bestehenden zielgruppenspezifischen Beratungsangeboten verzahnt werden, um ein funktionierendes Netzwerk zum Schutz vor Diskriminierung zu schaffen und auszubauen. 

Der horizontale Beratungsansatz beschreibt ein Beratungsangebot für alle Menschen, egal aufgrund welchen Merkmals sie diskriminiert wurden. Das Fachwissen wird merkmalsübergreifend für die Beratungssuchenden gebündelt und auch Betroffene von Mehrfachdiskriminierung erhalten eine adäquate Unterstützung. Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sind folgende Merkmale erfasst: 

  • das Lebensalter
  • die sexuelle Orientierung
  • das Geschlecht
  • die ethnische Herkunft, bzw. das Verbot rassistischer Zuschreibungen
  • eine Behinderung
  • die Religion/ Weltanschauung.

Das Modellprojekt startete 2017 und läuft bis Ende 2020.
Der Freistaats Sachsen fördert mit 1,2 Millionen Euro das Vorhaben; u.a. die Qualifizierung der Antidiskriminierungsberater*innen; den Aufbau eines Netzwerks zur Antidiskriminierungskultur in Sachsen und den Aufbau der Beratungsangebote.

https://www.adb-sachsen.de


 

»Wir sind überzeugt: Gelebte Vielfalt und Wertschätzung dieser Vielfalt hat eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft in Deutschland.«[9] (Charta der Vielfalt)


Am 4. Juni 2019 haben der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer, die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, gemeinsam mit der Staatsministerin für Integration und Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Annette Widmann-Mauz, die »Charta der Vielfalt« unterzeichnet. 
Die Charta der Vielfalt e.V. wurde 2010 unter Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel gegründet. Die Unterzeichnung beinhaltet eine Selbstverpflichtung zur Förderung von Chancengleichheit in der Belegschaft.  Ziel ist ein Arbeitsumfeld, in dem alle Beschäftigten die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren, unabhängig von Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung Identität. 


Der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer: »Sachsen setzt auf Vielfalt und Wertschätzung. Das gilt natürlich auch für den Freistaat als Arbeitgeber. Wir setzen mit der heutigen Unterzeichnung ein deutliches Zeichen für eine Kultur eines guten Miteinanders und der Akzeptanz, um die Persönlichkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu würdigen und für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu sein. Wir nehmen diese Verpflichtung sehr ernst.«


Die Sächsische Staatsministerin Petra Köpping ergänzt: »Das Bekenntnis des Freistaates Sachsen, sich als Arbeitgeber zur Förderung eines vorurteilsfreien Miteinanders und von Diversität einzusetzen, ist mir ein persönliches Anliegen. Wir setzen damit ein wichtiges Zeichen und machen deutlich, dass wir uns unserer Vorbildfunktion als einer der größten Arbeitgeber in Sachsen bewusst sind und diese auch ausfüllen wollen. Gerade in meinem Geschäftsbereich ist uns dies in den letzten Jahren in herausragender Weise gelungen. Nicht nur, dass hier der Altersdurchschnitt deutlich unter dem anderer Ministerien liegt, auch zeichnet sich die Belegschaft durch ihre Vielfältigkeit aus. Dies ist eine absolute Bereicherung und in meinen Augen auch für die gesamte Verwaltung des Freistaats erstrebenswert. Die erfolgreichen Unternehmen machen es uns vor. Eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft ist ein Erfolgskriterium und wird daher zurecht von vielen Betrieben angestrebt.«


Die Staatsministerin für Integration, Annette Widmann-Mauz: »Sachsen zeigt Flagge für Vielfalt – das ist ein starkes Zeichen. Der Freistaat Sachsen wird heute Teil des größten Netzwerks deutscher Unternehmen, Institutionen und Behörden, die gemeinsam erkannt haben, dass Vielfalt allen nutzt: denn gemischte Teams bringen die besseren Ergebnisse. Mit der heutigen Unterzeichnung der Charta der Vielfalt wird Sachsen Teil einer Erfolgsgeschichte für einen starken und weltoffenen Standort Deutschland.«

Akzeptanz kann jedoch nicht verordnet, sondern muss gelebt werden!

Mit dem Aktionsplan stellt die Sächsische Staatsregierung die Weichen für den gezielten Abbau von Diskriminierung von LSBTTIQ*. (*lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell, queer)

Mehr Informationen finden Sie hier: https://vielfalt.sachsen.de.

Die Betroffenenbefragung in Sachsen wurde zwischen dem 11. März – 30. Juni 2021 durchgeführt, daran nahmen 1.576 Menschen teil. Die Bevölkerungsbefragung in Sachsen fand zwischen dem 1. Juni – 9. September 2021 statt, daran nahmen 2.169 Menschen teil. Abgefragt wurde, ob und welche Art von Diskriminierung Menschen zwischen dem Frühjahr 2019 und Frühjahr 2021 erlebt haben. Erstmals wurde für diese Studie nach verschiedenen Formen der Diskriminierung in Sachsen gefragt – entlang des Geschlechts, der religiösen Zugehörigkeit, der äußeren Erscheinung, des Lebensalters, einer Behinderung, der sexuellen Orientierung, aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, der Herkunft oder dem sozioökonomischen Status.

Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen aus dem Bereich der Antidiskriminierungsarbeit haben diese Studie mit ihrer Expertise unterstützt. Da dieser Zeitraum maßgeblich durch die Covid-19-Pandemie geprägt war, wurde zudem gefragt, wie sich die Pandemie und die Maßnahmen zu deren Eindämmung auf Diskriminierungserfahrungen ausgewirkt haben.

Die Veröffentlichung einer umfassenden intersektionalen Studie zu Diskriminierungserfahrungen in Sachsen im Jahr 2022 mit Durchführung durch das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung ist ein wichtiger Meilenstein in der sächsischen Antidiskriminierungsarbeit. Erstmals wurde für diese Studie nach verschiedenen Formen der Diskriminierung in Sachsen entlang der Kategorien Geschlecht, religiöse Zugehörigkeit, äußere Erscheinung, Lebensalter, Behinderung, sexuelle Orientierung, rassistische Zuschreibungen, Herkunft und sozioökonomischer Status gefragt.

Höheres Risiko für Menschen, die nicht mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind

Für den Erhebungszeitraum der Jahre 2019 bis 2021 gaben beispielsweise 16 Prozent der Befragten an, mindestens einmal eine sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Neun Prozent gaben an, körperliche Gewalt erfahren zu haben und sieben Prozent, sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Dabei zeigt sich ein erhöhtes Risiko beispielsweise für Menschen, die nicht mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind oder die einer sexuellen bzw. geschlechtlichen Minderheit angehören. Fast ein Drittel aller Befragten haben es schon mindestens einmal erlebt, dass ihnen Intelligenz oder eigene Fähigkeiten abgesprochen (29 Prozent), ihre Leistungen abgewertet wurden (28 Prozent) oder dass sie in Behörden respektlos behandelt wurden (27 Prozent).

Die Studienergebnisse hinsichtlich des erhöhten Risikos für Menschen mit Behinderungen sowie für Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind, diskriminiert zu werden, sind dabei nicht überraschend, da sie sich weitestgehend mit den Beratungszahlen aus der Antidiskriminierungsberatung in Sachsen aus den Jahren 2018 bis 2021, aber auch bundesweit, decken.

Die hohe Anzahl von Personen, die sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten angehören und von Diskriminierungserfahrungen berichten, weist Korrelationen zu Erfahrungen aus den spezifischen Beratungsangeboten für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Personen (lsbtiq* Personen), aber auch zu den Ergebnissen weiterer Studien (u.a. Studie »Lebenslagen von Isbtiq* Personen in Sachsen«, 2022) auf und verdeutlicht den Handlungsbedarf in diesem Bereich.

Auch die Lebensbereiche, in denen Diskriminierung erlebt wird, decken sich weitgehend mit den in den Beratungsstatistiken aufgeführten Lebensbereichen. So gab knapp ein Drittel der sächsischen Befragten an, im Kontext von Erwerbsarbeit Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben. Ratsuchende wenden sich ebenso besonders häufig aufgrund von Diskriminierung im Arbeitsleben an die Antidiskriminierungsberatung.

Kaum Unterschiede zu bundesweiter Befragung

Die Häufigkeit der benannten Diskriminierungserfahrungen in den Bereichen Bildung (49 Prozent) und Justiz (29 Prozent) zeigt an, dass auch der Kontakt mit öffentlichen Stellen und Behörden nicht immer als diskriminierungsfrei wahrgenommen wird.

Medien und Politik wurden besonders häufig für stereotype Darstellungen und für die mangelnde Repräsentation von Minderheiten kritisiert.

Die Ergebnisse der Studie in Sachsen unterscheiden sich dabei kaum von den Ergebnissen einer bundesweiten Befragung, die zum Vergleich durchgeführt wurde, noch von weiteren Studien mit ähnlicher Ausrichtung (z.B. die bundesweite Studie von Beigang et al. 2017). Die Studie zeigt somit vor allem eine gesamtgesellschaftliche Problematik auf, der es auch in Sachsen auf mehreren Ebenen – Bund, Land Sachsen, Kommunen – durch staatliche und nichtstaatliche Akteur zu begegnen gilt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als jede zweite Person in Sachsen im Zeitraum zwischen Frühjahr 2019 und Frühjahr 2021 von einer erlebten Form von Ausgrenzung oder Benachteiligung berichtet. Die Studie stellt weiterhin dar, dass Diskriminierungserfahrungen für Betroffene neben ggf. entstehenden individuellen materiellen Nachteilen auch gravierende emotionale und gesundheitliche Folgen haben können, wie z.B. Depressionen oder andere Belastungsstörungen sowie körperliche Beschwerden. Der hohen Zahl der angegebenen Diskriminierungserfahrungen stehen sowohl das gesetzlich festgeschriebene Recht auf Gleichbehandlung als auch gesellschaftspolitische Ziele der Nicht-Diskriminierung, der Gleichstellung und Partizipation aller gegenüber. Die Studienergebnisse verdeutlichen damit grundsätzlich die Notwendigkeit, die gesellschaftliche Sensibilität für Diskriminierung zu erhöhen und den Diskriminierungsschutz in Sachsen mit geeigneten Maßnahmen zu stärken. Betroffenen von Diskriminierung sollten qualifizierte Angebote zur Unterstützung zugänglich sein.

Aufbau intersektionaler Beratung

Neben der Datenerhebung und –auswertung als Schwerpunkt der Studie werden auch eher allgemein gehaltene Handlungsempfehlungen formuliert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es nicht Gegenstand der Studie war, eine Bewertung bereits vorhandener landeseigener Strukturen und Maßnahmen zum Schutz vor und Abbau von Diskriminierung abzugeben, wie z. B.  der Aufbau von Angeboten der intersektionalen Antidiskriminierungsberatung an drei Standorten, die verstärkte Förderung von Selbstvertretungsorganisationen und der Ausbau von Beratungsstrukturen insbesondere für die Diskriminierungskategorie geschlechtliche und sexuelle Vielfalt.

Die Handlungsempfehlungen vor dem Hintergrund bereits vorhandener Strukturen zu beleuchten, zu gewichten und eine Umsetzung mittels geeigneter Maßnahmen zu prüfen, wird Aufgabe der sächsischen Staatsregierung sein. Dabei werden im Rahmen des Lenkungsausschusses zur Bekämpfung von Diskriminierung in Sachsen zivilgesellschaftliche Organisationen, Vertretungen des Landtages und alle Ressorts der Staatsregierung, einbezogen.

Zudem sind weitere Schritte notwendig, um mit der erforderlichen Detailtiefe und interdisziplinärer (rechtssoziologischer) Expertise passgenaue und zielführende Maßnahmen zur Stärkung des Diskriminierungsschutzes zu entwickeln. Mit diesem Ziel wird ein Gutachten zur Schließung von Lücken im Diskriminierungsschutz in Sachsen in Auftrag gegeben werden. Dieses wird unter Auswertung u. a. dieser Studie konkretisierte Maßnahmen und Vorschläge erarbeiten, ob und wie der Schutz vor Diskriminierung besonders hinsichtlich von Aufgaben in Landeszuständigkeit weiter verbessert werden kann.

Die Studie stellt damit einen wertvollen wissenschaftlichen Beitrag zur Fundierung der zukünftigen Antidiskriminierungsarbeit im Freistaat Sachsen dar. Aufbauend auf den Ergebnissen kann sich Sachsen weiterhin der lohnenswerten Aufgabe des Abbaus von Diskriminierung stellen und das Ziel einer chancengleichen Teilhabe aller Menschen und Bevölkerungsgruppen in Sachsen weiter voranbringen.

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