Hauptinhalt

Gewaltschutz

/
(© SMGI)
Mehrsprachiger Hinweis auf das Hilfetelefon für geflüchtete Frauen
/
(© Landesfachstelle Männerarbeit)

Bierdeckel mit Motiven der Kampagne »Mann, gib Dich nicht geschlagen!«

Bierdeckel mit Motiven der Kampagne »Mann, gib Dich nicht geschlagen!«
/
(© Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben)
Telefonnummer Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 08000 116 016

Häusliche Gewalt gehört zu den zentralen Gesundheitsrisiken für Frauen und verletzt massiv ihre Menschenrechte. Geschlechtsspezifische Rollenleitbilder gelten immer noch als zentrale Faktoren für männliche Gewalt gegen Frauen, daher ist dieser Form von geschlechtsspezifischer Diskriminierung gezielt entgegenzuwirken. Insbesondere für Kinder als Zeugen oder direkt Betroffene bleibt Gewalt in der Familie nicht ohne Folgen für die seelische und körperliche Gesundheit und ihre Entwicklung. Häusliche Gewalt, von der auch Männer betroffen sind, wird heute nicht mehr als Privatsache abgetan, sondern zunehmend von Politik, Justiz, Polizei, Verwaltung und Gesundheitswesen als ernste Herausforderung verstanden und entsprechend bekämpft.

In den letzten Jahren fand im Freistaat Sachsen bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt ein Paradigmenwechsel statt: Aus punktueller Unterstützung und Beratung der Opfer entwickelte sich eine umfassende Kette staatlicher und nichtstaatlicher Interventionsmaßnahmen. In Zusammenarbeit mit Polizei, Justiz und anderen Institutionen schützen, beraten und unterstützen Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen sowie die Interventions- und Koordinierungsstellen Opfer von häuslicher Gewalt. Fester Bestandteil des Kooperations- und Beratungsnetzes sind auch die Täterberatungsstellen, die einen wichtigen Beitrag zum aktiven Opferschutz leisten.

Der Lenkungsausschuss zur Bekämpfung häuslicher Gewalt stellt auf Landesebene das zentrale Kooperationsgremium dar. Neben Vertreterinnen und Vertretern von vier Ministerien gehören ihm Delegierte Freier Träger und von Nichtregierungsorganisationen an, die sich in Sachsen gegen häusliche Gewalt engagieren. Mit der »Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit« vom 22. Mai 2007 besteht eine Fördergrundlage für ein aufeinander abgestimmtes Netz aus verschiedenen Einrichtungen zur Bekämpfung häuslicher Gewalt. Fördergegenstände sind verschiedene Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen, die Opfern, aber auch Tätern/Täterinnen aufeinander abgestimmte Hilfen bieten. 

Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen dienen Frauen mit ihren Kindern in akuten Notsituationen als Sofortmaßnahme beim Schutz vor häuslicher Gewalt. Rund um die Uhr erhalten sie hier eine vorübergehende, meist anonym schützende und sichernde Unterkunft sowie beratende Hilfe und Unterstützung, um ihre gewaltbesetzte Lebenssituation zu überwinden und zu bewältigen. Das bundesweite Hilfetelefon unterstützt Betroffene und Hilfesuchende unter 08000 116 016. 

Für geflüchtete Frauen und ihre Kinder, die von Gewalt betroffen sind, gibt es ein besonderes Schutzhaus, sowie ein gesondertes telefonisches Unterstützungsangebot. Das Angebot ist erreichbar unter 0341 44 23 82 29 sowie help@she-leipzig.de. 

 

Sachsen ist bundesweiter Vorreiter auf dem Gebiet der Männerschutzarbeit mit drei modellhaft durch den Geschäftsbereich der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration geförderten Männerschutzwohnungen. Die Wohnungen befinden sich in Dresden, Leipzig und Plauen. Finanziert wird deren Unterhalten sowie eine begleitende Beratung der von häuslicher Gewalt betroffenen Hilfesuchenden. Die drei Wohnungen bieten jeweils bis zu drei Männern und deren Kindern eine vorübergehende, anonyme Zuflucht. Die gute Auslastung der Unterkünfte zeigt, dass der Bedarf vorhanden ist und das Angebot bei den Betroffenen nachgefragt wird.

Gleichzeitig unterstützt der Geschäftsbereich die 2016 gestartete Kampagne „Mann, gib dich nicht geschlagen“ zur Sensibilisierung für das nach wie vor gesellschaftlich tabuisierte Thema und die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten. 

 

Interventions- und Koordinierungsstellen fördert das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz seit 2003. Die Einrichtungen beraten und betreuen weibliche wie männliche Opfer häuslicher Gewalt und von Stalking. Ihre Hauptaufgaben bestehen in:

  • proaktiver Beratung der Opfer im Zusammenwirken mit einzelfallbezogener Krisenintervention der Polizei, Beratungs- und Betreuungsarbeit unter Anwendung der Möglichkeiten
    • des Gewaltschutzgesetzes,
    • des Sächsischen Polizeigesetzes § 21 Absatz 3 und
    • in Fällen von Stalking – der geänderten § 238 StGB und § 112a StPO.
  • Kooperations- und Vernetzungsarbeit mit den Polizeidienststellen und -direktionen sowie weiteren Einrichtungen und Institutionen, zum Beispiel Amts- und Familiengerichten, Sozial- und Jugendämtern, dem Gesundheitsbereich und der Rechtsmedizin,
  • Öffentlichkeitsarbeit, Durchführung von Schulungen und Multiplikatorentätigkeiten im Rahmen ihres Netzwerkes.

Beratungsstellen zur täterorientierten Anti-Gewalt-Arbeit (Täterberatungsstellen) arbeiten an den Ursachen der Gewaltsituation. Sie ergänzen das Hilfenetz für von häuslicher Gewalt betroffene weibliche und männliche Opfer. Ziel dieser Beratungsstellen ist es, Veränderungen bei gewalttätigen Männern und Frauen herbeizuführen, in deren Folge diese in der Lage sind, Verantwortung für das eigene Gewalthandeln zu übernehmen, sich in das Opfer einzufühlen und Konflikte partnerschaftlich und gewaltfrei zu lösen.
In Ergänzung zu Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen sowie Interventions- und Koordinierungsstellen fördert das Sächsische Sozial- und Verbraucherschutzministerium drei Projekte zur täterorientierten Anti-Gewalt-Arbeit in Markkleeberg, Chemnitz und Dresden.

Die sächsische Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, KOBRAnet, wird vom Freistaat Sachsen nach der »Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit« gefördert. Die Fachberatungsstelle ist mit Sitz in Dresden beziehungsweise Zittau landesweit tätig.

KOBRAnet

  • ist innerhalb eines internationalen Netzwerkes Anlaufstelle für Frauen, die Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung oder von Heiratshandel sind und konkrete Hilfe und praktische Unterstützung brauchen,
  • berät und begleitet Opfer von Menschenhandel-, in psychosozialen, medizinischen, juristischen, aufenthaltsrechtlichen, sprachlichen und finanziellen Problemlagen und unterstützt sie gegebenenfalls bei einer Rückkehr ins Herkunftsland,
  • führt gemeinsam mit der Sächsischen Landespolizei Streetwork und Begehungen im Rotlichtmilieu durch, um bedrohte Opfer besser zu erreichen, 
  • arbeitet in Netzwerken auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene,
  • betreibt Lobbyarbeit auf gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Die Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel KOBRAnet arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Dies betrifft die Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels nach §§ 232 ff StGB. Opfer, die für eine Kooperation mit der Polizei wichtig sind und Zeugenaussagen machen können, erhalten durch die KOBRAnet eine umfassende Beratung und Begleitung. Diese Zusammenarbeit ist in einer Kooperationsvereinbarung geregelt.

zurück zum Seitenanfang